Fahrrad Navi oder Smartphone

Fahrradnavi oder Smartphone

Fahrrad Navis werden in den kommenden Jahren aussterben! Das meint zumindest der Marketingleiter eines Outdoor-App-Anbieters, mit dem ich mich vor einigen Tagen über die Zukunft auf dem Markt der mobilen Navigation unterhalten habe.

Warum ich das nicht glaube und welche Gründe aus meiner Sicht gegen diese These sprechen, will ich in diesem Beitrag kurz erläutern.

Moderne Smartphones verfügen über einen GPS Sensor, ein großes Display, ausreichend Rechenkapazität und Speicherplatz um die Aufgaben von einem mobilen Fahrradnavigationssystem problemlos übernehmen zu können.

Das haben auch zahlreiche App-Hersteller erkannt, die ihre Software in den jeweiligen App-Stores zum Download anbieten. Die Auswahl ist groß: Naviki, komoot, ADAC Tourenplaner, MagicMaps und wie sie alle heißen. Dadurch stellen sich viele Wanderer, Biker, Outdoor-Freunde vor der Anschaffung immer wieder gern die Frage: Fahrrad Navi oder Smartphone?

Aus meiner Sicht haben Smartphones aber nur einen nennenswerten Vorteil: Man besitzt eh eins – zumindest die meisten – und braucht nicht extra eins anzuschaffen.

Dagegen stehen aus meiner Sicht aber zahlreiche Minus-Punkte:

  1. Das Smartphone ist nicht für den harten Outdoor-Einsatz konzipiert und dementsprechend nicht ausreichend robust für diesen Zweck. Wenn ich überlege, wie oft mein Garmin schon auf den Boden gefallen ist, oder geduldig im strömenden Regen am Lenker verharrt hat. Das würde mein Smartphone nicht lange mitmachen.
    Sicherlich gibt es inzwischen auch Handys, die Outdoor-Tauglichkeit versprechen. Aber selbst, wenn sie es in dem Maße halten würden, wie ich es benötigte, würde ich mein Smartphone deswegen nicht wechseln wollen. Ich oute mich mal als iPhone-Fan und das möchte ich einfach auch bleiben.
  2. Bei vielen Outdoor Aktivitäten mit dem GPS-Gerät trägt man Handschuhe. Sei es jetzt aus wettertechnischen Gründen, oder weil es einfach Teil der Ausrüstung ist. Die Touchscreens von Smartphones kann man aber mit Handschuhen nicht vernünftig bedienen. Ja, auch hier gibt es inzwischen Handschuhe, die das können sollen – ich habe ein solches Paar – aber in der Praxis sieht das noch wieder anders aus. Selbst wenn die Berührung erkannt wird, sind die Klickflächen bei Smartphones oft zu klein, um sie mit den groben Handschuhen ausreichend genau zu treffen. Bei meinem Navigationsgerät verteilen sich 6 große Buttons auf dem Display, die man dann mit ausreichender Genauigkeit bedienen kann.
  3. Ein Smartphone ist auf Internet-Empfang angewiesen. Nicht zwingend, da einige Apps auch das benötigte Kartenmaterial für eine vorgefertigte Route mit auf das Handy laden. Will man sich allerdings spontan navigieren lassen, oder von einer geplanten Route abweichen, müssen die Kartensegmente nachgeladen werden. Das kostet zum einen Datenvolumen und zum anderen Geld; je nach Vertrag. Im schlechtesten Fall stehe ich aber irgendwo in der Pampa und habe gar keinen Internet-Empfang, was dann?
  4. Die Qualität der GPS Chips in Smartphones sind nicht so gut, wie in speziellen Outdoor Navigationsgeräten. Die Qualität ist natürlich ausreichend, um von A nach B zu kommen, aber wenn wir z.B. spontan mal einen Geocache suchen und nur das Handy mit haben, nervt mich die Ungenauigkeit jedes mal.
  5. Die aktuelle Akku-Generation ist einfach noch nicht ausreichend entwickelt, um das Smartphone mehrere Stunden als GPS-Gerät nutzen zu können. Wer möchte schon, mitten im nirgendwo plötzlich orientierungslos rumstehen, weil der Akku schlapp gemacht hat. Das zusätzliche Problem, was daraus resultiert: Anrufen kannst du auch niemanden mehr, um deine missliche Lage aufzulösen. Ich hab es auch schon in einigen der Navi-Tests geschrieben, Geräte (auch Navis) mit Akku kommen für mich nicht in Frage. Ich will Power auswechseln können, wenn ich sie brauche und nicht von einem Aufladezeitraum abhängig sein.

Das sind meiner Meinung nach fünf gute Gründe, warum Fahrradnavis noch lange Zeit im Markt der mobilen Navigation an Platz 1 stehen werden. Klar, ich fände es auch gut, wenn ich nur noch ein Gerät bräuchte, statt zweien, aber dann müssen sie auch wirklich das selbe leisten können. Im Moment sehe ich das noch nicht.

Auch wenn sich die Smartphones langsam heranschleichen, können sie den nativen Fahrradnavis noch nicht das Wasser reichen. Als Backup um mal schnell das nächste Restaurant zu finden, oder einen spontanen Geocache zu suchen ist es OK, aber für alles andere kommt das Navi mit!

Weitere Test und Tipps zur Fahrrad-Navigation findest du übrigens auch bei den Kollegen vom Fahrradmagazin: http://www.fahrradmagazin.net/testberichte/fahrradnavigation-test/

Nutzt du dein Smartphone als mobiles Navigationsgerät? Hinterlass mir gerne deine Erfahrungen in einem Kommentar!

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Autor:

Ein Gedanke zu “Fahrrad Navi oder Smartphone

  1. Du triffst es auf den Punkt. Das Thema betrifft ja nicht nur Fahrrad Navis, sondern den Bereich Navigation im Allgemeinen. Navigationsgeräte werden seit längerem schon totgesagt und die bevorstehende Ablöse durch Smartphone Apps angepriesen. Die Themen Akku und die meistens erforderliche Internetverbindung sind für mich ganz wesentliche Negativpunkte, die gegen das Smartphone sprechen. Bei den Fahrrad Navis im Speziellen aber auch beim Motorrad kommt dann auch noch die fehlende Outdoor Tauglichkeit und Robustheit des Smartphones dazu. Wetterfest sollte es ja am besten auch noch sein 🙂
    Ich denke für denjenigen, der hin und wieder eine Navi Funktion benötigt, ist der Griff zum Handy durchaus eine Lösung. Jemanden der es regelmäßig im Einsatz wird die Vorzüge eines richtigen Navis nicht missen wollen.

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